Eine Persona ist raus, eine zweite sitzt schon im Datenmodell.
Vier Tester-Interviews später war klar: eine der drei Persona-Hypothesen ging am Zielsegment vorbei. Was wir geändert haben und warum die zweite Persona schon im Datenmodell sitzt, obwohl die UI sie heute kaum sieht.
Struqo startete mit drei Persona-Hypothesen. Bernd, der Heimwerker mit Holzbau-Erfahrung. Winni, der ambitionierte Selbstbauer ohne Zimmerer-Hintergrund. Eine dritte Persona für klassischen Möbel-Selbstbau. Vier Interviews später ist die Möbelbau-Persona raus.
Was die Möbelbau-Persona gezeigt hat
Die Hypothese war, dass Möbel-Selbstbau und Holzbau im Garten oder Anbau dieselben Tool-Erwartungen erzeugen. Das eine Out-of-Target-Interview hat das nicht gestützt. Wer ein Bücherregal oder einen IKEA-Hack baut, arbeitet mit anderen Werkzeugen, Materialien und Toleranzen als jemand, der einen Carport plant. Wenn jemand aus dem Möbel-Segment sagt "der Editor ist mir zu kompliziert", lernt man darüber nichts über Struqo, sondern über Möbelmontage.
Wir haben die Möbelbau-Persona in der Auswertung als Out-of-Target geführt. Methodisch sauber, ehrlicher als die Daten unter Bernd und Winni zu mischen. In der IU-Portfolio-Doku steht sie als eigene Sektion mit der Begründung, warum sie nicht in die Cluster-Bildung einfließt.
Warum jetzt schon Klaus
Klaus ist neu in der Persona-Liste, taucht aber in keinem Interview auf. Klaus ist der Profi: kleiner Handwerksbetrieb, ein bis fünf Mitarbeiter, kein Cadwork-Budget, plant heute mit Bleistift und Excel. Er ist Secondary Persona, kein Primary. Trotzdem ist er von Tag eins im Datenmodell drin.
Der Grund ist banal und teuer zugleich. Wenn Struqo erst einmal mit einer Bernd/Winni-Architektur gebaut ist und Phase 3 dann Pro-Features für Klaus draufsetzen will, brechen Migrationen auf. Float32 statt Float64. Snap auf 100 mm fixiert statt skalierbar. Materialien ohne Hersteller-Feld. Ein Layer-System, das nur "Wand" und "Träger" kennt, aber keine Bemaßungs-Ebene.
Wir ziehen die Architektur-Entscheidungen deshalb jetzt rein, auch wenn Klaus heute keinen einzigen Klick macht.
Was sich konkret geändert hat
- Snap-Granularität wählbar (1, 5, 10, 50, 100 mm), nicht hartkodiert auf den Wert, der für Bernd gerade bequem ist
- Numerische Eingabe für jede Geometrie als gleichwertiger Pfad neben Drag-Drop, weil Klaus Werte tippt statt zieht
- Material-Datensatz schon mit Feldern für Hersteller, Charge, Festigkeitsklasse, auch wenn die UI sie heute nicht zeigt
- Koordinaten intern in Millimeter mit Float64
Was wir nicht geändert haben
Die Landingpage. Der Editor. Das Onboarding. Klaus ist im Daten-Layer, nicht in der Sprache. Sobald wir anfangen, in der Außenkommunikation gleichzeitig Heimwerker und Profis anzusprechen, verlieren wir beide. Bernd liest "DIN-konforme Bemessung" und schließt den Tab. Klaus liest "schnell zum ersten Plan" und nimmt es nicht ernst.
Zwei Modi, eine Stimme. Das ist die Faustregel.