Eine Stunde Tester-Interview, acht Bugs, drei Tage später eine bessere App
Interview zwei legte acht konkrete Editor-Blocker frei. Drei Tage später waren alle gefixt und auf Production verifiziert. Wie ein Solo-Dev-Loop konkret aussieht, wenn die Hand am Code und die Ohren am Tester sind.
Im zweiten Tester-Interview wurde ein Carport-Plan im Editor durchgespielt. Nach 50 Minuten waren sechs Funktionen probiert und an acht Stellen war der Fluss gerissen. Ein Bug ist ärgerlich, acht sind eine Botschaft.
Was kaputt war
Die Liste, ohne Schönfärberei:
- Snap-Tool funktionierte nur beim ersten Aufruf, danach toter Klick
- Trackpad-Drag sprang nach dem ersten Pixel zurück, als hätte der Browser den Pointer-Lock vergessen
- Eingabe von 0 in den Maß-Feldern wurde stillschweigend verworfen
- Cmd-Z brauchte drei bis vier Klicks für eine sichtbare Aktion (Phantom-Snapshots durch Zundo plus Immer)
- Print-PDF produzierte zwei leere Seiten zwischen den echten Seiten
- Kreuzungs-Detail für Linie versus Rahmen war nicht erkennbar (zwei Workflows, ein UI)
- Tooltips auf den Tools fehlten, der Tester musste raten
- Drehgriff verlor nach der ersten Drehung den Konva-Transformer und reagierte nicht mehr
Was den Loop schnell macht
Solo-Dev hat einen unfairen Vorteil. Niemand muss in einem Stand-up den Bug nochmal erklären. Niemand muss den Fix in einem Backlog priorisieren. Wenn die Aufnahme stoppt und die Synthese steht, kann der Code-Editor offen sein.
Der Ablauf war:
- Abend nach dem Interview: Verbatim-Pass durch das Transkript, acht Items in Linear angelegt, jedes mit Tester-Zitat verknüpft
- Tag eins: vier triviale Fixes (Tooltip-Texte, Print-Margin, 0-Input-Validation, Kreuzungs-Label)
- Tag zwei: zwei Konva-Bugs, beide nicht trivial. Drehgriff verlor seinen Ref durch einen Inline-Callback, Snap durch eine fehlende Cleanup-Route
- Tag drei: Zundo-Fix mit eigener Equality-Function (Phantom-Snapshots loswerden) plus Trackpad-Drag-Korrektur
Drei Tage, alle acht Issues gefixt, auf struqo.app verifiziert, bevor Interview drei stattfand.
Was aus den Fixes Konventionen wurden
Zwei der Bugs hatten Lessons, die größer waren als das Symptom. Der Konva-Transformer-Bug schreibt jetzt eine Regel im Code-Standard fest, dass kein Inline-Ref-Callback verwendet wird. Das Zundo-Phantom-Snapshot-Thema steht im Memory als wiederkehrendes Pattern.
Manche Fixes sind nur Fixes. Manche werden zu Konventionen, die ähnliche Bugs verhindern. Den Unterschied erkennt man, wenn der Fix eine Stunde dauert und das Schreiben der Konvention zwanzig Minuten.
Was bleibt
Drei der acht Bugs hätten Unit-Tests gefangen. Zwei davon sind jetzt mit Tests gegen Regression abgesichert, einer ist es noch nicht. Das ist Tech-Debt, in Linear erfasst.